Freitag, 13 Oktober 2017 17:11

Almir Porca hat beim Fußball-Bezirksligisten Ahrweiler BC voll eingeschlagen

Torschützen unter sich: Almir Porca (links) traf sechs Mal, Jan Rieder (Mitte) drei Mal ins Schwarze. Finn Götte schaute meist nur zum Gratulieren vorbei. Torschützen unter sich: Almir Porca (links) traf sechs Mal, Jan Rieder (Mitte) drei Mal ins Schwarze. Finn Götte schaute meist nur zum Gratulieren vorbei. Fotos: Stefan Schmitz

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Edin Dzeko genießt als Stürmer Weltruf. Deutscher Meister mit dem VfL Wolfsburg, zweimal englischer Meister mit Manchester City, mittlerweile hat er seine Zelte in Italien bei der AS Rom aufgeschlagen. Als technisch beschlagener und pfeilschneller Mittelstürmer führte er sein kleines Heimatland Bosnien-Herzegowina 2014 sogar zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien. Die 1,92 Meter große Offensivkraft, mittlerweile 31 Jahre alt, hatte am 17. März 1986 in der Hauptstadt Sarajevo das Licht der Welt erblickt.

Gut zehn Jahre später, genauer gesagt am 30. September 1996, wurde etwa 20 Kilometer von Sarajevo entfernt der kleine Almir Porca geboren. Kein Wunder, dass er sich später, als viele Kinder und Jugendliche dem runden Ball nachjagten, irgendwann den berühmten Dzeko zum Vorbild nahm. Auch Porca wollte die Fußball-Welt erobern.

27 Mal lief er in der Zweiten Liga Bosnien-Herzegowinas für NK Bosna Visoko auf, bevor ihn sein Weg nach Deutschland führte. Zur traditionsreichen TuS Koblenz, die heutzutage in der Fußball-Regionalliga Südwest ein Schattendasein fristet. Den Kontakt hatte ein gewisser Jonny Susa, ein Verwandter von ihm, hergestellt.

Als Porca, 1,85 Meter groß und 80 Kilogramm schwer, am 20. Mai 2017 beim Spiel der TuS bei Wormatia Worms für gerade mal sieben Minuten eingewechselt wurde, ließ sich sein Ende am Deutschen Eck allerdings schon erahnen. Eine hartnäckige Adduktorenverletzung hatte ihm zu schaffen gemacht, immer wieder musste er nach Bosnien-Herzegowina reisen, um Visa-Angelegenheiten zu klären, die Sprachbarriere tat ihr Übriges. Wenige Wochen später trennten sich die Wege.

Da trat sein Verwandter Jonny Susa, Trainer des Ahrweiler BC, in der Zwischenzeit souverän in die Fußball-Bezirksliga Mitte aufgestiegen, wieder in Erscheinung und verpflichtete ihn kurzerhand für den Traditionsverein von der Ahr. Porca wohnt bei der Familie Susa in Bad Neuenahr, Kost und Logis selbstverständlich frei.

Der junge, zurückhaltende Mann zahlt mit Toren zurück. „Manchmal ist ein Schritt zurück mehr wert“, erklärt Porca auf dem Rasenplatz in Laubach in passablem Deutsch. Jasmin Ibrahimovic, Co-Trainer des Ahrweiler BC und ebenfalls aus Bosnien-Herzegowina stammend, ist als Dolmetscher nicht mehr unbedingt gefragt.

Sechs Tore hat der Hoffnungsträger beim 9:0 (4:0)-Erfolg gegen die SG Vordereifel Müllenbach erzielt - und tut in seiner scheuen Art so, als sei es das Normalste der Welt. „Fünf Tore waren bisher mein Rekord“, erzählt Porca. Er kann sich relativ gut daran erinnern, weil es noch nicht so lange her ist. Bei seiner Premiere im ABC-Trikot steuerte er eine Handvoll Tore beim 9:0 (3:0) gegen die SG Mengerschied bei. Natürlich wecken solche Leistungen und Quoten Begehrlichkeiten, einige Oberligisten haben schon angeklopft. Doch Porca bleibt ganz ruhig.

Ende Oktober will er erst mal seine Sprachprüfung bestehen, die Grundvoraussetzung dafür ist, um in Deutschland eine Ausbildung beginnen zu können. „Momentan fühle ich mich sehr wohl beim Ahrweiler BC“, bemüht der 21-Jährige die übliche Floskel. „Warten wir doch einfach mal die Entwicklung im Verein ab, ich muss nicht unbedingt weg.“ Ob er den Werdegang seines großen Idols Dzeko noch immer im Hinterkopf hat?